Tim und die #WTWChallenge: #Japanuary – Yakuza Apocalypse 2

Neujahr ist perfekt, um sich im Bett zu lümmeln und gleich mal den ersten Film der #WTWChallenge zu gucken. Bevor ich aber ein paar Worte zu Yakuza Apocalypse von Takashi Miike verliere, muss ich noch ein paar Dinge zum Monats-Thema #Japanuary loswerden: das asiatische Kino und ich, das ist etwas schwierig. Ich tue mich sehr schwer mit der Art, wie dort Geschichten erzählt und Personen dargestellt werden. Es ist gerne etwas konfus und so stark von der eigenen Kultur geprägt, das es für den gemeinen Europäer schwer ist nachzuvollziehen worauf angespielt wird. Hinzu kommt das die Figuren gerne Mal sehr überzeichnet sind, so daß sie an Karikaturen erinnern. Ich frage mich aber umgekehrt auch, ob es Asiaten mit dem europäischen Kino genauso geht, denn auch wir Europäer haben unsere filmischen Eigenarten…

Wie dem auch sei: Yakuza Apocalypse. Worum geht es?

Die Yakuza sorgen für Ordnung in der Stadt. Den Bürgern geht es gut und wann immer es Ärger gibt, wird dafür gesorgt das dieser beseitigt wird. Wir verfolgen die Karriere von Kageyama, der ein Günstling des beliebten lokalen Yakuza Bosses ist. Eines Tages kommen zwei Männer einer Konkurrenz-Organisation in die Stadt und Kageyama kann es nicht verhindern, das sein Boss nach einem Kampf der Kopf abgerissen wird. Als die Männer in der Annahme verschwinden, das auch Kageyama tot ist bemerkt er, wie noch ein wenig Restleben in dem Kopf seines Bosses ist. Dieser fackelt nämlich nicht lange und beißt Kageyama in den Hals. Danach ist er von einem seltsamen Hunger und Durst erfüllt und Kageyama zu einem Vampir, genau wie sein Boss vor ihm, geworden. Seinen Appetit nicht kontrollieren könnend schafft er aus einigen Zivilisten neue Vampire und muss sich dann den Mördern seines Bosses widmen. Nebenbei taucht dann plötzlich noch ein weiterer, übersinnlicher Gegner auf…

Dieser lange Absatz ist quasi der Auftakt zu dem knapp 2 Stunden langen Yakuza Apocalypse. Und diese 2 Stunden sind auch gleich das erste Problem: der Film ist gut 30min zu lang. Es werden Erzählstränge angeboten und dann nicht aufgelöst, so daß sie den Anschein wecken nur als privater Witz des Regiesseurs zu dienen. Und als der Film dann zu einem Ende kommt tut er dies so abrupt und ohne echtes Ende, in Hollywood würde man das vollkommen zurecht als schlimmes Sequel-Bait anprangern.

Ich habe aber die Vermutung, das das, wie so vieles andere in diesem Film auch, als groteske Satire auf die Genres, die Yakuza Apocalypse bedient, zu verstehen ist: auf den Fantasy-Film, auf Horror-Filme, auf Superhelden und (japanische) Monster-Filme, sowie natürlich auf die Yakuza. Zwischendrin wirkt er, trotz vieler humoresker Momente, aber immer wieder so ernst in der Art wie die Geschichte erzählt wird, das er schließendlich nur konfus ist und damit meiner Meinung nach als Satire größtenteils scheitert. So

Aber vielleicht liegt es auch an mir? Ich habe versucht meine Bedenken auszuschalten und mich auf den Film einzulassen, doch so recht wollte es mir nicht gelingen. Die Inszenierung ist gut, Takashi Miike ist defintiv jemand der das Handwerk versteht. Viele Bilder erinnern in ihrer Komposition an Comics, was mit Sicherheit kein Zufall ist und ich als Bestätigung dessen sehe, das er hier eine Persiflage gedreht hat. Vielleicht fehlt mir einfach der Zugang, weil ich nicht die Zielgruppe für die gezeigten Tropes bin? Wer den Film kennt und ein Fan des japanischen Kinos ist, darf mich hier gerne aufklären.

Als zweiten Film des #Japanuary habe ich mir jedenfalls ein Drama ausgesucht. Von welchem der zur Auswahl stehenden Regiesseure er stammt, lest ihr dann demnächst wieder hier.

flattr this!

2 thoughts on “Tim und die #WTWChallenge: #Japanuary – Yakuza Apocalypse

  1. Reply Miss Booleana Jan 24, 2018 21:47

    Haha, das dürfte dann wohl die berühmte japanische halbe Stunde sein, die auch dir hier zuviel war. Das hört man oft. :) Ich kenne den Film nicht, aber mir waren japanische Filme als ich angefangen habe sie zu schauen meistens auch einen Tick zu lang. Ich denke das entsteht einfach durch die Sehgewohnheiten. In unseren Längengraden ist man ja eher daran gewöhnt, dass Geschichten nach dem Blockbuster-Modell erzählt werden. Stetiger Spannungsaufbau, großes Finale, schnelles Abfallen, Happy-End oder … End. Und da läuft es etwas anders.

    Generell denke ich aber, dass es zwei Richtungen geht in die der japanische Film driftet. Das eine mag das überspitzte, übertriebene sein. Charaktere bis fast zur Karikatur. Das andere sind aber meistens die stillen, ruhigen Dramen und Alltagsgeschichten, die so ungekünstelt sind, dass sie wirken wie ein Fernsehfilm oder aus dem echten Leben gegriffen, was ich wiederum sehr angenehm finde.

    • Reply der_tim Jan 29, 2018 14:11

      Beim ersten Battle Royale hatte ich eher den umgekehrten Eindruck: dem hätte an der einen oder anderen Stelle ein paar Sekunden mehr gut getan. Der war in der von mir gesehenen Fassung einfach merkwürdig geschnitten (was aber wohl tatsächlich nicht an deutscher Schnippelwut lag, wenn ich mich recht erinnere).

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