The House of #Horrorctober: Poltergeist (Remake) 2

Passend zum Spukhaus-Thema des diesjährigen #Horrorctober habe ich mir das Remake von Poltergeist angeschaut, dessen Originalfilm vom leider vor kurzem verstorbenen Tobe Hopper (obwohl hier kontrovers diskutiert wird, wie viel tatsächlich von ihm stammt, Produzent Steven Spielberg soll wohl auch häufig auf dem Regiestuhl gesessen haben) als ein Klassiker gilt.

Worum geht es?
Unmittelbar nach dem Familie Bowen in ihr neues Haus eingezogen ist, passieren dort diverse übernatürliche Dinge: in der gleichen Nacht in der Amy und Eric erfahren, das sich auf dem Gelände einst ein Friedhof befand, verschwindet ihre jüngste Tochter Madison und Griffin, das mittlere Kind, wird vom alten Baum vor dem Haus angegriffen. Die Famile bittet Experten des Paranormalen um Hilfe…

Ach, wo soll ich nur anfangen? Ich hatte wahrlich nicht viel etwartet und habe mich bemüht halbwegs neutral und möglichst unvoreingenommen an die Sichtung heranzugehen. Regie hat immerhin Gil Kenan geführt, dessen Monster House bereits eine liebevollen Hommage an das Genre ist.

Handwerklich ist das Remake durchaus solide, aber der Spannungsbogen des Drehbuchs wirkt hingeschludert. Es werden die phantastischen Elemente des Originals, die vieles im Dunklen ließen, entmystifiziert in dem man zu viel von dem Ort an dem sich Maddie befindet zeigt und dieser letztendlich doch nur für billige jump scares genutzt wird. Dazu kommt der klassische “man soll denken es ist vorbei aber HAHA! doch nicht”-Schluß, der wie von der Drehbuch-Resterampe wirkt. Außerdem wird uns noch eine angeklatschter pseudo-Opferungsszene eines Charakters, der nicht ansatzweise so interessant und charismatisch ist, wie die Autoren glaube, präsentiert. Im Grunde genommen wirkt hier alles wie aus dem Handbuch für Drehbuchautoren. Jeden Witz hat man schonmal gehört und jeden Konbflikt schonmal gesehen.

Auch der Familie Bowen fehlt die Charakterzeichnung und -tiefe der Freelings. Sam Rockwell (Vater Eric Bowen), den ich normalerweise sehr gerne sehe, wirkt völlig deplatziert und muss als komplette Fehlbesetzung bezeichnet werden.

Fazit: Seelenloses (pun not intended) Remake, das nicht ansatzweise mit dem furchteinflößendem Original mithalten kann.


Eine Übersicht und Erklärung was es mit dem #Horrorctober auf sich hat, sowie welche Filme ich zu sehen gedenke und bereits habe findet ihr bei diesem Artikel.

Verantwortlich für das schrecklich, gruselige Haus, das das Fundament des diesjährigen #Horrorctober bildet ist CineCouch. Das Titelbild steht unter der Creative Commons License CC BY-ND 4.0 und darf von allen Teilnehmern verwendet werden. Für das diesjährige Motiv wurde das Bild „Haunted“ von houman_thebrave ausgewählt, das ebenfalls unter Creative Commons lizenziert ist.

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2 thoughts on “The House of #Horrorctober: Poltergeist (Remake)

  1. Reply Holden Okt 18, 2017 20:05

    So schlimm fand ich das Remake nicht, vor allem, weil es interessanterweise weniger auf große Effektshots setzt, als das Original. Vieles hier wird nur angedeutet. Selbst die Szene auf der “anderen Seite” ist mehr darauf bedacht, den Zuschauer nicht wirklich etwas sehen zu lassen und ein Moment, der im Trailer ein großer Moneyshot war, passiert im Film plötzlich unscharf im Hintergrund.

    Hinzu kommt der interessante genderpolitische Aspekt. Der arbeitslose Vater fühlt sich schlecht, weil er seine Familie nicht versorgen kann, der Sohn hat Schuldgefühle, weil er seine Schwester nicht beschützen kann und ihn seine Mutter in einem unbedachten Moment als “Heulsuse” beschimpft hat und der anfangs einzige männliche Geisterjäger hat eine Nahtoderfahrung, die er seinen weiblichen Kolleginnen aber nicht mitteilt und stattdessen nur eine “Nimm deinen Job gefälligs ernster” Standpauke kassiert.

    Leider wird dieser Aspekt sehr halbherzig und fragwürdig aufgelöst, indem der Tag dadurch gerettet wird, dass die Männer etwas Dummes tun (Eine Drohne kaufen, für die sie kein Geld haben, ihr eigenes Leben riskieren, etc.). Erst sagt der Film: “Hey, diese veralteten Männerrollen sind doch heute irrelevant. Versorger und Beschützer weren heute nicht mehr gebraucht!” nur um sich dann in den Schritt zu packen und ein Tim-Taylor-Grunzen loszulassen.

    Merkwürdig finde ich, dass Du das Ende nach dem Ende kritisiert, wo das Original doch genau das selbe Problem damit hatte, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören, bzw nach dem eigentlich zufriedenstellenden Ende jetzt noch eine superspektakuläre Effekt- und Actionszene folgen lassen musste.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich das Original nicht soooo toll finde. Es ist ein gut gemachter, paranormaler Abenteuerfilm, den ich mir alle paar Jahre gerne wieder ansehe, aber ein perfektes Meisterwerk war auch er nicht. Da kommt das Remake ihm schon ziemlich nah.

    • Reply der_tim Okt 24, 2017 15:22

      Das Original ist mit Sicherheit kein perfektes Meisterwerk, aber im Gegensatz zum Remake hat er mich gegruselt. Moderne Filme verlassen sich zu sehr auf jump scares, das hat mit Horror nicht viel zu tun.

      Vielleicht mag da auch ein wenig nostalgische Verklärung bei sein, obwohl ich ihn zuletzt vor ca. 2 Jahren gesehen habe und ihn immer noch unterhaltsam fand.

      Das von Dir erwähnte genderpolitische kann man da reinlesen wenn man will, aber leider fand ich Sam Rockwell so unterirdisch, das mir da jedes Mitgefühl und Interesse an der Figur fehlt. Hinzu kommt das von Dir erwähnte Halbherzige: die Szene beim Einkaufen und die teuren Dinge, die er dann mitbringt wirken fremd im Film.

      Handwerklich ist er gut gemacht, aber das reicht halt nicht wenn er mich ansonsten langweilt.

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