Alltagsrassismus 5

Beim Einsteigen in die Bahn habe ich die Kontrolleure bereits gesehen. Der Waggon war nur spärlich besetzt, das ist unter der Woche nach 22 Uhr eigentlich immer so, außerdem lief ja gerade Champions League, da fallen sie halt auf. Vor allem wenn sie, sofern ich es richtig wahrgenommen habe, gerade die Personalien von jemandem aufnahmen (Funfact: niemand muß einem Kontrolleur seinen Personalausweis zeigen oder gar geben).

Ich setze mich weiter vorne in das Abteil und warte darauf das auch ich an der Reihe bin meine Fahrkarte zu zeigen. Doch dies passiert nicht, sondern der Kontrolleur geht schnurstracks an mir vorbei und spricht gezielt den vor mir sitzenden Passagier an und will nur von ihm die Fahrkarte sehen. Erstaunt nehme ich dann zur Kenntnis wie der Kontrolleur nach Betrachten des Billets anschließend wieder an mir vorbei geht und dann an der Station aussteigt, an der die U-Bahn gerade hält. Auch die Dame die auf der mir gegenüberliegenden Seite des Ganges sitzt wurde nicht weiter beachtet.

Es handelte sich bei dem Herren mit der Exklusivkontrolle um einen Fahrgast mit deutlich dunklerer Hautfarbe als ich sie habe.

So sieht Alltagsrassismus aus.

Ich bin nicht so naiv zu glauben das dies nie vor kommt, es ist nur etwas anderes wenn man es selber erleben muß.

Die Hochbahn hat auf meine Tweet relativ zügig reagiert und ich habe so eben per E-Mail Beschwerde eingereicht. Ich weiß nicht ob und was dabei herumkommt, hoffe aber sehr das dem in irgendeiner Form nachgegangen wird.

flattr this!

5 thoughts on “Alltagsrassismus

  1. McHag Feb 18, 2015 12:16

    Bei der Polizei nennt sich das “einschlägige polizeiliche Erfahrung”. Es ist einfach zum Kotzen.

    Ich möchte noch auf das law blog verlinken und von dort zitieren:

    “Hautfarbe und ein Erscheinungsbild als “Ausländer” sind zulässige Kriterien für eine Personenkontrolle durch die Bundespolizei. Dies hat das Verwaltungsgericht Koblenz entschieden. Das Gericht bestätigt damit die Praxis eines Grenzbeamten, gezielt Reisende nach ihrer Hautfarbe zu kontrollieren.”

    https://www.lawblog.de/index.php/archives/2012/03/27/der-neger-ist-verdchtig/

  2. Michael Feb 18, 2015 14:55

    “funfact: Niemand muß einem Kontrolleur seinen Personalausweis zu zeigen oder gar geben.”

    Klar muss man das nicht. Aber wenn der liebe Onkel Kontrolleur den sehen will, dann hast du mit ziemlicher Sicherheit etwas falsch gemacht. Nämlich eine Straftat begangen. schwarz fahren ist nämlich ein Straftatbestand. (§ 265a StGB). Und wenn du ihm den Ausweis nicht zeigst, dann kann er dich festnehmen. Bis die Polizei kommt und der musst du den Ausweis dann dummerweise zeigen. Und die nimmt auch die Anzeige auf, um die du sonst vielleicht rum gekommen wärst. Dumm gelaufen.

    Das mal nur so als “funfact” ;)

  3. Greifenklaue Feb 22, 2015 12:11

    Wo ich es gerade bei den Twitters gelesen habe. Als wir zu Schulzeiten als langhaarige Bande das Dynamo in Eindhoven besucht haben, wurde unser Auto aber auch jedes Jahr von der Autobahn gezogen …

  4. Pingback: Neunnachneun | Ansichten aus dem Millionendorf

  5. Thomas Mrz 3, 2015 19:35

    Bei einigen Kontrolleuren merkt man es schon am Tonfall. Einem “Biodeutschen” wie mich fragen sie teilnahmslos bis höflich, bei Menschen, die hingegen ihre rassistischen Vorurteile triggern, werden sie ungeduldig bis ruppig. Bäh.

Comments are closed.